Vg Wort Dissertation Selbstverlag

Bild: Wil­hei, Wiki­me­dia Com­mons (CC-BY). http://bit.ly/1yJClTZ

tl;dr: Wis­sen­schafts­ver­la­ge for­dern zwi­schen 2.535 € und 7.500 €, um eine Dis­ser­ta­ti­on zu ver­öf­fent­li­chen. Mit Self-Publi­shing und Open Access ist es deut­lich güns­ti­ger; es gibt aller­dings weni­ger Gla­mour. Bei der Ver­öf­fent­li­chung lohnt es sich, nicht beim Kor­rek­to­rat zu spa­ren und die Arbeit gut zu ver­net­zen (Check­lis­te unten).

Ende 2012 woll­te ich mei­ne Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen, für eine teu­re Publi­ka­ti­on in einem Wis­sen­schafts­ver­lag fehl­ten mir damals aber die Mit­tel. Nach einem For­schungs­auf­ent­halt in Har­vard, Rus­sisch­kur­sen in Mos­kau und einer Tren­nung  war ich frisch in Ber­lin ange­kom­men. Ich such­te gera­de eine Woh­nung, beruf­lich zeich­ne­ten sich bereits neue Wege jen­seits der Wis­sen­schaft ab: Ich arbei­te­te als frei­er Online-Redak­teur und lern­te die Ber­li­ner Start­up-Welt ken­nen. Ich hat­te zu einem aktu­el­len The­ma der Gegen­warts­li­te­ra­tur pro­mo­viert, zu den Ergeb­nis­sen der Arbeit gab es in der Ger­ma­nis­tik bereits posi­ti­ve Reak­tio­nen. Umso wich­ti­ger war es mir, dass die Ergeb­nis­se schnell ver­öf­fent­licht wur­den und von ande­ren For­schern genutzt wer­den konn­ten. Bis­her hat­te ich mich vor­wie­gend mit Inhal­ten beschäf­tigt, nun ging es um ande­re Fra­gen: Wel­cher Ver­lag wür­de mei­ne Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen und wie lie­ße sich das finan­zie­ren?

Digital, gedruckt oder beides?

Durch mei­ne guten Erfah­run­gen mit digi­ta­len Tex­ten woll­te ich mei­ne Dis­ser­ta­ti­on nicht nur als gedruck­tes Buch ver­öf­fent­li­chen, son­dern auch im Inter­net. Bei den meis­ten Ver­la­gen war dies auch Mit­te 2013 noch nicht selbst­ver­ständ­lich: Wäh­rend mei­ner Tätig­keit an der Uni hat­te ich bereits meh­re­re Auf­sät­ze in ein­schlä­gi­gen Wis­sen­schafts­ver­la­gen publi­ziert. Die­se Tex­te waren im Netz prak­tisch unsicht­bar. Selbst die Auf­find­bar­keit über die Goog­le-Buch­su­che wur­de erst nach hart­nä­cki­gen Anfra­gen per Email und über die öffent­li­che Face­book­sei­te des Ver­la­ges ermög­licht.

Mit sol­chen Bedin­gun­gen konn­te ich mich nicht anfreun­den. Bei ver­schie­de­nen Aus­lands­auf­ent­hal­ten hat­te ich mir ange­wöhnt, mit digi­tal ver­füg­ba­ren Tex­ten zu arbei­ten. Mit Hil­fe eines Ein­zugscan­ners hat­te ich die kom­plet­te Sekun­där­li­te­ra­tur zu Beginn der Schreib­pha­se in hand­li­che PDF-Datei­en. Pro Auf­satz dau­er­te dies weni­ger als eine Minu­te. Durch die digi­ta­le Ver­füg­bar­keit erga­ben sich erwei­ter­te Per­spek­ti­ven auf das Mate­ri­al. So wur­den mit der Soft­ware „DevonT­hink­Pro“ neue Ver­knüp­fun­gen sicht­bar, über die seman­ti­sche Suche fand sich zu jedem Stich­wort stets der pas­sen­de Auf­satz. Die Digi­ta­li­sie­rung sämt­li­cher Mate­ria­li­en ermög­lich­te ein orts­un­ab­hän­gi­ges Arbei­ten ohne stö­ren­des Über­ge­päck aus Papier.

Ledig­lich in Buch­form eine Dis­ser­ta­ti­on zu ver­öf­fent­li­chen, erschien mir unter die­sen Umstän­den gera­de­zu unfreund­lich gegen­über ande­ren For­schern. Zum Glück gab es an mei­ner Uni­ver­si­tät den Open-Access-Dis­ser­ta­ti­ons­ser­vereDiss, auf dem man sei­ne Arbeit ohne Kos­ten im Open Access ver­öf­fent­li­chen konn­te. Mit einer Crea­ti­ve-Com­mons-Lizenz konn­te die Arbeit von ande­ren For­schern welt­weit geteilt wer­den.

Gleich­zei­tig war mir bewusst, dass rei­ne Inter­net­pu­bli­ka­tio­nen in den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten sel­ten rezen­siert wur­den. Aus mei­ner Biblio­theks­zeit wuss­te ich zudem, dass Bücher häu­fig zuerst über das Biblio­theks­re­gal wahr­ge­nom­men wer­den — die Ent­schei­dung zur Anschaf­fung durch eine Bestands­ab­tei­lung wirkt wie ein Fil­ter. Auf eine gedruck­te Ver­si­on woll­te ich daher nicht ver­zich­ten.

Kosten und Aufwand

Wäh­rend der Abschluss­pha­se erkun­dig­te ich mich zuerst bei Freun­den und Kol­le­gen, wo ich mei­ne Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen könn­te. In mei­nem Gra­du­ier­ten­kol­leg gab es eine eige­ne Schrif­ten­rei­he, die in einem bekann­ten Göt­tin­ger Ver­lag erschien. Bei dem Kos­ten­vor­anschlag des Ver­la­ges erga­ben sich für mich Publi­ka­ti­ons­kos­ten in Höhe von 7.377,41 €:

Bei einer Ver­öf­fent­li­chung in die­ser Rei­he zahl­te das Kol­leg einen Zuschuss in Höhe von 2.500 €. Die rest­li­chen 4.877,41 € müss­te ich ent­we­der mit Hil­fe von Sti­pen­di­en ein­wer­ben oder aus eige­ner Tasche bezah­len. Für die­ses Geld wur­de eine star­ke Mar­ke gebo­ten, ein bekann­ter Namen für den Lebens­lauf. Damit erschien es zumin­dest wahr­schein­lich, dass mein Buch in der Ger­ma­nis­tik wahr­ge­nom­men wür­de und sei­nen Weg in die Rega­le fän­de. Ein Lek­to­rat wäre nicht ent­hal­ten, aller­dings stand der Ver­lag in dem Ruf, zumin­dest ein gutes Kor­rek­to­rat zu bie­ten. Trotz der hohen Kos­ten erschien ein frei­er Zugang im Netz nicht mög­lich. Das Gra­du­ier­ten­kol­leg erkun­dig­te sich und ich erhielt die fol­gen­de Aus­kunft:

“Dei­ne Publi­ka­ti­on kann 3 Jah­re nach Erschei­nen in Open Access gestellt wer­den; der Ver­lag stellt dafür das PDF der Druck­fas­sung zur Ver­fü­gung. Wenn der Buch­ver­kauf dann gegen null ten­diert, behält sich der Ver­lag das Recht zur Maku­la­tur vor.” (Email vom 11.09.2012)

Drei Jah­re War­te­zeit für das Recht, die Dis­ser­ta­ti­on ins Inter­net zu stel­len, die Ankün­di­gung von Maku­la­tur, Kos­ten in Höhe von 4877,41 € (inkl. 2.500 € für das Kol­leg) – unter die­sen Bedin­gun­gen erschien mir eine Publi­ka­ti­on in der Schrif­ten­rei­he des Kol­legs lei­der nicht trag­bar. Nach den vie­len Umzü­gen wünsch­te ich mir vor allem einen fes­ten Job in Ber­lin. Allein für die Bewer­bun­gen wäre eine zeit­na­he Ver­öf­fent­li­chung sehr prak­tisch. Vor allem aber hat­te ich meh­re­re Jah­re in die­ses Buch inves­tiert und wünsch­te mir, dass die Ergeb­nis­se etwas zu der Dis­kus­si­on bei­tra­gen konn­ten. Ich frag­te bei einem ande­ren Ver­lag an und erhielt einen zwei­ten Kos­ten­vor­anschlag:

Ver­lags­kal­ku­la­ti­on 2 (Namen und Mar­ke geschwärzt). Kom­plet­tes Ange­bot als PDF-Datei  (168 KB)

Die Druck­kos­ten wur­den in Höhe von 3.016,65 € (brut­to) ver­an­schlagt, bei einem Ver­kaufs­preis von 44,90 €. Ob eine Biblio­thek das Buch zu einem sol­chen Preis anschaf­fen wür­de? Eine Bereit­stel­lung im Open Access soll­te hier zusätz­lich 5.000€ kos­ten, ins­ge­samt wären Kos­ten in Höhe von 7.535 € ange­fal­len:

„Das zieht sich gegenseitig hoch“: Druckkostenzuschuss, Verlagsname und Stipendien

Nach die­sen Kos­ten­vor­anschlä­gen wur­de ich unsi­cher, ob ich noch in die­sem Jahr mei­ne Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen könn­te. Die Druck­kos­ten lagen in Höhe von 2.535 € — 7.500 €. Open Access zeit­gleich zur Ver­öf­fent­li­chung wur­de in einem Fall über­haupt nicht unter­stützt, bei dem güns­ti­ge­ren Ver­lag wäre die Bereit­stel­lung im Inter­net mit Zusatz­kos­ten ver­bun­den.  Das Pro­blem: Als Berufs­an­fän­ger erschie­nen mir die­se Sum­men uto­pisch; den Druck­kos­ten­zu­schuss über Sti­pen­di­en ein­zu­wer­ben, erschien mir zu unsi­cher und zu zeit­auf­wän­dig. Ein wei­te­res Jahr woll­te ich mit der Ver­öf­fent­li­chung nicht war­ten.

Wäre mein Ziel noch immer eine Kar­rie­re als Wis­sen­schaft­ler gewe­sen, hät­te ich ernst­haft dar­über nach­ge­dacht, den Betrag für die Rei­he des Gra­du­ier­ten­kol­legs irgend­wie auf­zu­trei­ben. Solan­ge Ver­lags­na­men für Beru­fun­gen noch eine Rol­le spie­len, gehen Nach­wuchs­wis­sen­schaft­ler auf Num­mer sicher. Für Beset­zungs­ver­fah­ren von Pro­fes­su­ren spielt es in den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten noch immer eine Rol­le, unter wel­cher Mar­ke man ver­öf­fent­licht hat, eben­so bei Sti­pen­di­en. Bei mei­nem Har­vard-Auf­ent­halt gab es eine ähn­li­che Dyna­mik. Freun­de gaben mir damals den guten Rat, „das zieht sich gegen­sei­tig hoch“. So kam es dann auch: Sobald eine Zusa­ge von einer pres­ti­ge­träch­ti­gen Uni­ver­si­tät vor­lag, ging es mit der Bewil­li­gung für Rei­sesti­pen­di­en wie von selbst. Die­ses Prin­zip ist als Mat­thä­us-Effekt bekannt, dem­nach wer­den Erfol­ge mehr durch frü­he­re Errun­gen­schaf­ten als durch gegen­wär­ti­ge Leis­tun­gen beein­flusst. Wenn Leis­tun­gen erst durch das rich­ti­ge Eti­kett beglau­bigt wer­den, kann sich die Inves­ti­ti­on in eine Ver­lags­mar­ke durch­aus loh­nen. Doch möch­te man sich für die­se Annah­me wirk­lich ver­schul­den?

Exkurs: Wissenschaft als teurer Club

Ich wer­de den Ver­dacht nicht los, dass sich die hohen Prei­se bei wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­tio­nen auch mit der Kauf­kraft von Aka­de­mi­ker­fa­mi­li­en erklä­ren (wen das nicht so inter­es­siert, kann hier wei­ter­le­sen). Aka­de­mi­scher Erfolg hängt in Deutsch­land stark von der sozia­len Her­kunft ab. Laut der 20. Sozi­al­er­he­bung des Deut­schen Stu­den­ten­werks von 2012 zeigt sich die­ser Zusam­men­hang bereits im Erst­stu­di­um:

Die­se Ent­wick­lung hat sich im letz­ten Jahr­zehnt ver­stärkt. Im inter­na­tio­na­len Ver­gleich gibt es in Deutsch­land nur weni­ge fes­te Stel­len im soge­nann­ten Mit­tel­bau jen­seits der Pro­fes­sur:

In den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten wird seit lan­gem beklagt, dass der aka­de­mi­sche Mit­tel­bau seit Jah­ren aus­trock­net. Einer wach­sen­den Zahl von Dok­to­ran­den ste­hen immer weni­ger fes­te Stel­len gegen­über. Im “aka­de­mi­schen Nied­rig­lohn­sek­tor” (FAZ) hält sich mit befris­te­ten Pro­jekt­stel­len über Was­ser, bis die Befris­tungs­re­ge­lung eine wei­te­re Anstel­lung ver­hin­dert. Unter die­sen Bedin­gun­gen wird jede Mög­lich­keit inter­es­sant, mit bekann­ten Mar­ken in der Publi­ka­ti­ons­lis­te zu glän­zen. Die gro­ßen För­der­wer­ke sind immer weni­ger bereit, die hohen Druck­kos­ten­zu­schüs­se der Ver­la­ge zu zah­len. So mahnt z.B. die FAZIT-Stif­tung, man zah­le grund­sätz­lich nicht für “Luxus­aus­ga­ben teu­rer Ver­la­ge” (PDF-Link) .  Damit blei­ben die Kos­ten wie­der an den Wis­sen­schaft­lern hän­gen. Solan­ge der Zugang zu den weni­gen unbe­fris­te­ten Stel­len über Ver­lags­mar­ken gefil­tert wird, gibt es greif­ba­re Vor­tei­le für Bewer­ber mit fami­liä­ren Reser­ven. Wer springt ein, wenn das Sti­pen­di­um nicht aus­reicht? Ob es sich lohnt, sich für eine Ver­öf­fent­li­chung zu ver­schul­den?

Dissertation veröffentlichen, Plan B: Open Access und Print-on-Demand

Wer eine Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen möch­te, braucht ent­we­der genug Geld oder aus­rei­chend Zeit. Auch mit einem mög­li­chen Druck­kos­ten­zu­schuss-Sti­pen­di­um stand ich vor einer erheb­li­chen Finan­zie­rungs­lü­cke. Die bekann­ten Wis­sen­schafts­ver­la­ge kamen also nicht in Fra­ge. Durch mei­nen Kon­takt mit der Ber­li­ner Start­up-Sze­ne lern­te ich eine wei­te­re Mög­lich­keit ken­nen: Die Arbeit ließ sich auch ohne Druck­kos­ten publi­zie­ren. Aus einer Anfra­ge bei der Ber­li­ner Self-Publi­shing-Platt­form epu­bli ergab sich schnell ein Job­an­ge­bot, seit Janu­ar 2013 ent­wi­cke­le ich dort den Bereich Wis­sen­schaft. Eine Ver­öf­fent­li­chung im „Selbst­ver­lag“ erschien mir nun auch beruf­lich inter­es­sant: Statt den teu­ren Gla­mour eines Wis­sen­schafts­ver­lags ein­zu­kau­fen, könn­te ich selb­stän­dig mei­ne Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen und auf die­se Wei­se Publi­ka­ti­ons­er­fah­run­gen sam­meln. Im Self-Publi­shing kos­tet die Ver­öf­fent­li­chung ledig­lich eine Ver­triebs­ge­bühr von 14,95 €, die Bücher wur­den erst bei einer Bestel­lung gedruckt und die Pro­duk­ti­ons­kos­ten über den Ver­kaufs­preis finan­ziert.

Schnell merk­te ich, dass eine Ver­öf­fent­li­chung im Selbst­ver­lag mit eini­gem Auf­wand ver­bun­den ist wenn man die kom­plet­te Vor­be­rei­tung selbst über­nimmt. Mei­ne Expe­ri­men­te bei der Umschlag­ge­stal­tung führ­ten schnell zu der Ent­schei­dung, zumin­dest die­sen Schritt an einen Pro­fi abzu­ge­ben. Freund­li­cher­wei­se über­nahm der Gra­fi­ker Mar­cel Fens­ke-Pogrze­ba die Gestal­tung, nach eini­gen Ent­wür­fen ent­stand ein anspre­chen­des Cover. Das Lay­out für den Inhalt gestal­te­te ich mit Micro­soft Word, dazu gab es gute Tips von dem Typo­gra­fen Vik­tor Nübel. Die schö­nen Lay­out-Vor­la­gen des KIT habe ich lei­der zu spät ent­deckt, bei einer erneu­ten Ver­öf­fent­li­chung wür­de ich die­se Vor­la­gen nut­zen.

Bei der Open-Access-Ver­öf­fent­li­chung ent­schied ich mich für eine Crea­ti­ve-Com­mons-Lizenz mit einem nicht­kom­mer­zi­el­len Lizenz­mo­dul (CC-BY-NC-SA). Dies stell­te sich spä­ter als ungüns­tig her­aus, Datei­en mit einer NC-Lizenz kön­nen lei­der auf den meis­ten Sei­ten nicht ange­bo­ten wer­den. Für eine Ände­rung auf dem Dis­ser­ta­ti­ons­ser­ver war es zu spät, auf mei­ner eige­nen Sei­te habe ich die Dis­ser­ta­ti­on daher mit einer Lizenz ein­ge­stellt, mit der man die Datei bes­ser tei­len kann (CC-BY-SA). Dazu genüg­te es, den Lizenz­hin­weis im Impres­sum fol­gen­der­ma­ßen zu ändern:

Sinnvolle Investition: Korrektorat

Ein ers­ter Pro­be­druck der Dis­ser­ta­ti­on sah ange­nehm hoch­wer­tig aus, übrig blieb noch das Kor­rek­to­rat. Mit dem Berufs­ein­stieg in der Ber­li­ner Start­up-Welt war ich bereits aus­rei­chend beschäf­tigt, also hol­te ich ein Ange­bot für ein exter­nes Kor­rek­to­rat ein:

Die Kos­ten für Kor­rek­to­rat und Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen wur­den mit 1.325,66 € geschätzt – deut­lich weni­ger als bei den bei­den Wis­sen­schafts­ver­la­gen, der Betrag war für mich aller­dings noch immer zu hoch. In den fol­gen­den Wochen kor­ri­gier­te ich die Druck­fas­sung mei­ner Arbeit daher sel­ber. Zwar war ich in den ers­ten Mona­ten als Quer­ein­stei­ger sehr beschäf­tigt mit den ers­ten Pro­jek­ten, aber es gab ja noch etwas Zeit nach Fei­er­abend und am Wochen­en­de. Unbe­dingt woll­te ich inner­halb des nächs­ten Monats mei­ne Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen, die Zeit nach Fei­er­abend wur­de ein­fach zu knapp.

Von die­sem 100%-Do-it-yourself-Verfahren zum Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen kann ich nur abra­ten: Das Kor­rek­to­rat von län­ge­ren Tex­ten ist ein emp­find­li­cher Punkt bei wis­sen­schaft­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen, beson­ders in einer geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tät. Bei der eige­nen Dis­ser­ta­ti­on sieht man die Sät­ze oft noch so vor Augen, wie man sie for­mu­liert hat­te, vor allem nach einem lan­gen Arbeits­tag. Nach 23 Uhr soll­te man gene­rell kei­ne Kor­rek­tu­ren mehr vor­neh­men, mit zuneh­men­der Müdig­keit nimmt die Genau­ig­keit ab. Emp­feh­len kann ich zudem die Anschaf­fung einer exter­nen Tas­ta­tur, bei der sämt­li­che Tas­ten ein­wand­frei funk­tio­nie­ren. Zwi­schen­durch streik­te mei­ne Lap­top-Fest­plat­te, zum Glück konn­te ich das Pro­blem selbst behe­ben:

Nach weni­gen Wochen war das Manu­skript fer­tig, nun konn­te ich end­lich die Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen. Eini­ge Feh­ler waren mir in der Eile zwar ent­gan­gen, dank der kur­zen Kün­di­gungs­frist (5 Tage) ließ sich das Buch bei Bedarf jeder­zeit neu publi­zie­ren. Wegen der wach­sen­den Anfor­de­run­gen im Job wur­de es für mich höchs­te Zeit, dass die­ses Buch­pro­jekt end­lich vom Schreib­tisch ver­schwand und ich die Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen konn­te.

Nun ging alles sehr schnell: Ich stell­te das Buch auf der Self­pu­bli­shing-Platt­form ein, bestell­te die gefor­der­ten Print-Exem­pla­re für das Prü­fungs­amt und konn­te die Dis­ser­ta­ti­on auf dem Ser­ver der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Göt­tin­gen zugäng­lich machen. Ich bestell­te ledig­lich zwei Auto­ren­ex­em­pla­re; eines für mich und eines für mei­ne Eltern. Die­se Anzahl war tat­säch­lich mehr als aus­rei­chend, Auto­ren­ex­em­pla­re lie­ßen sich jeder­zeit nach­dru­cken. Inner­halb weni­ger Minu­ten erschien das Buch im Online-Shop, am nächs­ten Tag war es auch bei Ama­zon und im Buch­han­del bestell­bar.

Rezensionen und Online-Sichtbarkeit

Mit der Ver­öf­fent­li­chung konn­te ich nun den Dok­tor­ti­tel ver­wen­den, viel wich­ti­ger erschien mir aber, dass die Arbeit im Fach sicht­bar wur­de. Auto­ren, die ihre Dis­ser­ta­tio­nen in einem Ver­lag ver­öf­fent­li­chen, kön­nen zumin­dest eine Erwäh­nung in der Ver­lags­vor­schau erwar­ten. Da mei­ne Arbeit im Inter­net und auf einer Self-Publi­shing-Platt­form erschien, konn­te ich mich selbst an die Ver­tre­ter der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek, an Fach­zeit­schrif­ten und ande­re Rezen­si­ons­or­ga­ne wen­den. Dazu inves­tier­te ich noch einen wei­te­ren Sams­tag­vor­mit­tag. Um kei­ne Rezen­si­ons­ex­em­pla­re umsonst zu ver­schi­cken, wand­te ich mich zuerst an die Fach­re­fe­ren­ten. Erst bei einer posi­ti­ven Rück­mel­dung schick­te ich dann ein Exem­plar mei­ner Dis­ser­ta­ti­on an die Zeit­schrift.

Ins­ge­samt ver­sand­te ich vier Exem­pla­re. Dar­aus ergab sich bereits eine ers­te Rezen­si­on. In dem ger­ma­nis­ti­schen Rezen­si­ons­por­tal „IASL Online“ erschien fast zwei Jah­re spä­ter eine aus­führ­li­che Bespre­chung über 22 Absät­ze. Das Ver­dikt einer „bei­na­he unzu­mut­ba­ren Dich­te an Recht­schreib- und Tipp­feh­lern sowie zahl­rei­che for­ma­le Unstim­mig­kei­ten“ erscheint mir ange­sichts der Ent­ste­hungs­be­din­gun­gen zwar über­ra­schend hart for­mu­liert, dem­ge­gen­über wird mei­ne Metho­de aber als brauch­ba­re Heu­tis­tik her­vor­ge­ho­ben. Ich habe den Autor bereits kon­tak­tiert und ange­bo­ten, mit sei­nen Kor­rek­tu­ren eine neue Ver­si­on zu ver­öf­fent­li­chen — im Print-on-Demand ist dies zum Glück inner­halb weni­ger Minu­ten mög­lich.

Abge­se­hen von die­sem ungüns­ti­gen Absatz freue ich mich über die posi­ti­ve Bespre­chung. Mit der Rezen­si­on in einer Fach­zeit­schrift wird es für ande­re For­scher ein­fa­cher, die Arbeit zu fin­den. Für alle Fäl­le habe ich noch einen kur­zen Wiki­pe­dia-Arti­kel zu mei­nem The­ma ange­legt und das PDF der Arbeit auf mei­ner Web­sei­te zur Ver­fü­gung gestellt.

Gewinne: VG-Wort und Verkäufe

Eine wei­te­re ange­neh­me Über­ra­schung gab es von der VG Wort. Ver­öf­fent­licht man sei­ne Dis­ser­ta­ti­on in einem Ver­lag, ist die Ver­brei­tung in wis­sen­schaft­li­chen Biblio­the­ken in der Regel gesi­chert. Um die vol­le Aus­schüt­tung der VG Wort zu erhal­ten, soll­te die Arbeit in min­des­tens fünf Biblio­the­ken in zwei unter­schied­li­chen Biblio­theks­ver­bän­den ver­füg­bar sein. Hier­bei zäh­len nur Bestel­lun­gen der Biblio­the­ken, Geschenk­ex­em­pla­re wer­den von der VG Wort nicht berück­sich­tigt. Ich kon­tak­tier­te eini­ge Fach­re­fe­ren­ten per Email und mach­te sie auf mei­ne Dis­ser­ta­ti­on auf­merk­sam. Gleich­zei­tig hat­ten Freun­de über Face­book von mei­ner Ver­öf­fent­li­chung gehört und bestell­ten die Dis­ser­ta­ti­on in ihrer Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek.

Dank der guten Ver­brei­tung fand sich die Dis­ser­ta­ti­on in genü­gend Ein­rich­tun­gen, um die vol­le Aus­schüt­tung zu gewähr­leis­ten. Von der VG Wort erhielt ich eine Aus­zah­lung in Höhe von 880,19 € und erziel­te bis­her knapp zwan­zig Ver­käu­fe mei­ner Dis­ser­ta­ti­on.

Mit die­ser Ver­öf­fent­li­chung habe ich bis­her ins­ge­samt weni­ger als 900 € ver­dient. Ange­sichts der lan­gen Schreib­pha­se ist das zwar eine mini­ma­le Ver­gü­tung, im Ver­gleich mit den ande­ren Ange­bo­ten ist die klei­ne Aner­ken­nung aber sehr will­kom­men. Vor allem freue ich mich, dass die Ergeb­nis­se der Dis­ser­ta­ti­on nun im Open Access für alle ver­füg­bar sind und das die Arbeit auch gele­sen wird.

Checkliste: Was ist beim Dissertation veröffentlichen zu beachten?

    • Fra­gen vor­ab
      • Wie wich­tig ist mir die Repu­ta­ti­on eines Ver­la­ges?
      • Soll die Arbeit zusätz­lich im Open Access erschei­nen?
      • Wel­che Crea­ti­ve-Com­mons-Lizenz kommt für mich in Fra­ge?
      • Wel­che finan­zi­el­len Mit­tel kann/möchte ich ein­set­zen?
      • Wel­che Dienst­leis­tun­gen möch­te ich ein­kau­fen?
    • Ver­öf­fent­li­chung in einem Ver­lag
      • Wie schät­zen Kol­le­gen die Repu­ta­ti­on des Ver­la­ges ein?
      • Wel­che Sti­pen­di­en für einen Druck­kos­ten­zu­schuss kom­men in Fra­ge? Mit wel­chen Bewer­bungs­fris­ten muss ich hier rech­nen?
      • Wel­che Ver­wer­tungs­rech­te gebe ich ab (exklu­si­ves vs. nicht­ex­klu­si­ves Ver­wer­tungs­recht)?
      • Ist eine Zweit­ver­wer­tung im Inter­net mög­lich?
      • Erscheint das Buch in der Goog­le-Buch­su­che?
      • Wel­che Leis­tun­gen über­nimmt der Ver­lag?
        • Kor­rek­to­rat (ggf. Lek­to­rat)?
        • Druck und Lage­rung (ggf. begrenzt)?
        • Ver­trieb?
        • Mar­ke­ting?
        • PR?
    • Self-Publi­shing
      • Wie lan­ge ist die Kün­di­gungs­frist des Anbie­ters?
      • Wie gut ist die Druck­qua­li­tät? (ggf. Kon­takt auf­neh­men und einen Pro­be­druck anfor­dern)
      • Ist eine par­al­le­le Open-Access-Ver­öf­fent­li­chung mög­lich?
      • Über wel­che Ver­triebs­ka­nä­le ist die Arbeit ver­füg­bar?
      • Wo fin­de ich Unter­stüt­zung für die fol­gen­den Dienst­leis­tun­gen:
        • Kor­rek­to­rat (ggf. Lek­to­rat)
        • Cover­ge­stal­tung (ca. 50–200 €)
        • Lay­out (ca. 150–500 €)
        • Web­sei­te zum Buch (nach Bedarf)
    • Biblio­theks­be­stel­lun­gen und Rezen­sio­nen
      • Wel­che Zeit­schrif­ten gibt es in mei­nem Fach?
      • Möch­te ich Fach­re­fe­ren­ten in Biblio­the­ken direkt anschrei­ben?
      • Wel­che bestehen­den Kon­tak­te kann ich auf die Arbeit hin­wei­sen?
      • Wie­viel Rezen­si­ons­ex­em­pla­re wer­den benö­tigt?

Ob Wis­sen­schafts­ver­lag oder Self-Publi­shing, wer sei­ne Dis­ser­ta­ti­on ver­öf­fent­li­chen möch­te, inves­tiert ent­we­der Geld oder Zeit, um die Ver­öf­fent­li­chung selbst zu gestal­ten. Die meis­ten Arbeits­schrit­te las­sen sich zum Glück aus­la­gern. In jedem Fall lohnt es sich, beim Kor­rek­to­rat nicht zu spa­ren, Zeit­schrif­ten direkt anzu­schrei­ben und eine Crea­ti­ve Com­mons-Lizenz zu wäh­len, mit der eine freie Nach­nut­zung mög­lich ist. Viel Erfolg!

 

Kategorien EssaysTags Creative Commons, Dissertation veröffentlichen, Open Access, Self-Publishing, VG Wort, Wissenschaftliches Publizieren

VG Wort - Selbstverlag

Beitragvon TinTin » 10.08.2011, 12:37

Hallo liebe Forumsmitglieder,

Ich habe eine Frage zur VG Wort und einer Promotion im Selbstverlag. Was genau gebe ich da bei der Anmeldung an?

Ich habe Ende letzten Jahres meine Promotion abgeschlossen. Meine Arbeit wurde in keinem Verlag veröffentlicht, stattdessen habe ich den Weg der „Online-Publikation“ meiner Uni-Bibliothek gewählt. Dazu musste ich 6 gedruckte und gebundene Pflichtexemplare und eine PDF-Version beim Prüfungsamt einreichen. Die PDF-Version ist auch auf der Seite der Nationalbibliothek einsehbar.
Nun habe ich mich hier etwas durchs Archiv gewühlt und das ist – soweit ich das verstehe – eine wissenschaftliche Publikation im Selbstverlag und damit für die VG Wort Ausschüttung berechtigt.
Ich habe mir das VG Wort Formular jetzt mal angeguckt. Ich würde jetzt ein Gedrucktes Werk – Buch melden und als Verlag Selbstverlag angeben. Die Druckseiten wären entsprechend alle Seiten des PDFs.
Stimmt das so?

Vielleicht könnt Ihr mir auch noch eine weitere Frage für eine Freundin beantworten: Sie hat auch in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert. Gibt es dafür auch eine Ausschüttung wenn es keine deutsche Zeitschrift ist?

Vielen Dank schonmal!

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